Abschied
Vielleicht dachte ich damals:
was dir der Liebe Gott doch
für eine edel geschwungene
Stirn gebaut hatte, hinter der du
wohnen durftest, wie ich annahm,
und hinter der du dich versteckt
hieltest bei geschlossenen Augen,
wenn es nicht mehr anders ging.
Von dort, konnte ich im Laufe
der Zeit beobachten, änderte
sich dein Blick auf all diese Tage,
langsam und stet, nach den
quecksilbrigen Jahren voreiliger
Schlüsse, bis auch deine Stirn sich
allmählich auf zurückhaltende
Weise zu verabschieden begann,
was du klaglos hinnahmst,
so mein Empfinden, und was
auch ich nicht bedauerte, und wie
sich, wie ich meinte, unsere
Erinnerungen, eingehüllt in warme
Decken, noch einmal Mühe gaben,
daß wir den Reim endlich
fänden bei all den ungezählten
Versen, und wie dann deine Stirn
zu sprechen begann, wenige Sätze
in wohlgewählten Worten, die
ich hörte, aber nicht verstand;
sicher war ich mir nicht, ob dies
tatsächlich so geschah.
Und wie du dann fortgegangen
bist, grußlos, aber nicht
unfreundlich, und deine Stirn,
die ich immer so gerne angeschaut,
mit dir forttrugst, ein für alle Mal,
vielleicht enttäuscht über meine
Begriffsstutzigkeit, daß ich nicht
verstand, wo ich doch hätte
verstehen müssen; vielleicht war
es dein Wunsch, daß ich dir ein
Lied sänge allein zu deinem
Vergnügen, nach meinem bequemen
Schweigen, in dem ich es mir von
jeher gemütlich eingerichtet hatte,
und das du mich ein Mal, nur ein
einziges Mal zu brechen batest,
gutmütig, nicht fordernd, in mein
taubes Ohr, wer weiß? Du ließest
keine Trauer zurück in mir, nahmst
sie gleich mit, und für kurze Zeit
begann etwas anderes, für das ich
mich nicht mehr erwärmte, soviel
steht fest, und alles was war,
suchte jetzt Unterschlupf, woanders,
und wie ich dem mehr und mehr
nachgab.
Congedo
Forse pensavo allora:
che nobile fronte ti ha costruito
l’amore di Dio,
dietro la quale, supponevo,
potevi abitare
e dietro la quale ti nascondevi
a occhi chiusi
quando non era possibile altrimenti.
Da lì, questo potevo osservare nel
corso del tempo, cambiò
il tuo sguardo su tutti
questi giorni,
lento, costante, dopo
gli anni mercuriali di
conclusioni azzardate, finché anche
la tua fronte cominciò piano piano
a congedarsi discretamente,
tu lo accettasti senza lamentarti,
questa la mia sensazione,
che non mi dispiaceva, e come
i nostri ricordi, pensavo,
avvolti in calde coperte, s’impegnarono
un’ ultima volta
a trovare finalmente la rima
tra gli innumerevoli versi e
come poi la tua fronte
cominciò a parlare, poche frasi
con parole ben scelte, che sentivo,
ma non capivo;
non sono sicuro se accadde
veramente così.
E come poi te ne andasti,
senza salutare, ma non ostile,
e come portasti via con te la tua fronte
che mi era sempre piaciuta,
una volta per sempre,
forse delusa dalla mia ottusità, perché non
comprendevo ciò che avrei
dovuto comprendere; forse
desideravi che io ti
cantassi una canzone solo per
divertirti, dopo il mio comodo
silenzio, nel quale mi ero da sempre accasato,
e che una volta, un’unica volta
tu mi chiedesti di rompere,
benevola, non invadente,
nel mio orecchio sordo, chissà? Non lasciasti
in me un lutto, portasti via
anche quello e per poco
cominciò qualcos’altro, che non mi
appassionava più, questo è certo, e tutto ciò che fu,
ora cercava un rifugio, altrove,
e come io cedevo, sempre di più.
Hin und wieder
vielleicht täglich,
werden die Schritte
aller Geschöpfe gezählt,
wenn jemand weiß,
wie lange so ein
täglicher Tag auf
der ganzen Welt
wirklich dauert,
wenn jemand wissen
möchte auch, wohin
führten denn diese
Schritte, wem galten sie,
wer hat sie getan, und ob
diese Schritte auch etwas
wissen lassen die
Schritte Schreitenden
über sich selbst wie
auch über den
Schritte Zulassenden,
der sich möglicherweise
selbst zu einem Rätsel
geworden ist.
Di tanto in tanto
forse ogni giorno
si contano i passi
di tutte le creature,
se qualcuno sa,
veramente,
quanto dura un
giorno quotidiano
sulla terra,
se qualcuno
vorrebbe anche sapere
dove mai portarono
questi passi, verso chi andarono,
chi li avrà fatti, e se
svelano questi passi
qualcosa su chi li fa,
su se stesso e
su chi li permette,
che, forse,
è diventato un enigma
anche per se stesso.
Anweisungen für die vorletzten Tage
Nicht zu lange in einer Stadt
bleiben; irgendwann glaubst
du wirklich, du seist ein Teil
von ihr. Spätestens dann
wird der Reiseführer auf dich
aufmerksam. Und wenn dir das
dämmert, fliehst du in noch
falschere Städte: nach den
angelesenen Mustern aus einer
Zeit, die nichts mehr gilt, aber
du mußt ganz woanders hin,
denn die Stadt befindet sich
in den Händen deiner Feinde,
mit Blut an den Händen, gierig
auf deines. Wenn es bereits zu
spät ist und du das begreifst,
bleib da, wo du bist, in einer
verschwiegenen Wohnung, auf
einem Balkon im Schatten und
sieh dem Unglück ins Gesicht.
Weilaghiri.
Indicazioni per i penultimi giorni
Non rimanere in una città
troppo a lungo; dopo un po’ credi
davvero di far parte
di essa. A questo punto,
le guide turistiche s’accorgeranno
di te. E appena lo capisci,
fuggi in città
ancora più sbagliate: secondo
i vecchi parametri di un’epoca
che non vale più nulla, ma
tu devi andare altrove,
perché la città è in mano
ai tuoi nemici
dalle mani insanguinate, avidi
del tuo sangue. Quando oramai capisci
che è troppo tardi,
resta pure dove sei, in una
casa nascosta, su un
balcone all’ombra e
guarda in faccia l’infelicità.
Weilaghiri.
Traduzione di Adelmina Albini e Stefanie Golisch

